11. March 2010

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Tierfotografie – Die richtige Kamera für den Einstieg

30.Juni 2009 von Claus Brandt  
aus der Rubrik Tierfotografie

Wenn Sie mit dem Gedanken liebäugeln, sich näher mit der Tierfotografie zu beschäftigen, kommt früher oder später unweigerlich die Frage auf: Welche Ausrüstung ist die Richtige? Die Auswahl an Kameras, Objektiven und Zubehör am Markt ist unüberschaubar – häufig ganz im Gegensatz zum Budget, das zur Verfügung steht. Und der Foto-“Fach“-Verkäufer hinter der Theke besitzt meistens nicht einmal selber eine Spiegelreflex-Kamera oder muss eine bestimmte Marke verkaufen, weil er sonst im nächsten Jahr nicht mehr Premium Partner des Herstellers ist.

Ich will Sie ein wenig auf Ihre Kaufentscheidung vorbereiten. Die Liste der technischen Daten ist häufig lang und unübersichtlich. Darum stelle ich Ihnen die aus meiner Erfahrung heraus wichtigsten Eigenschaften vor, die eine Kamera für Tierfotografie erfüllen sollte.

Das Kamera-Gehäuse – was muss es können?

Das Herzstück der Tierfotografen-Ausrüstung ist eine 35mm Spiegelreflex-Kamera mit Autofokus-System. Der Begriff „Spiegelreflex“ bedeutet, dass Sie Ihr Motiv über ein System von unterschiedlich angeordneten Spiegeln, die sich im Inneren des Kameragehäuses befinden, unmittelbar „durch das Objektiv“ im Sucher sehen können. So können Sie bereits vor der Aufnahme beurteilen, was abgebildet wird. Analoge Geräte sind nahezu komplett vom Markt verschwunden, der Markt wird von digitalen Geräten dominiert.

Der entscheidende Vorteil einer Spiegelreflex-Kamera gegenüber einer Bridge- oder Kompaktkamera liegt darin, daß man bei der Spiegelreflexkamera die Objektive austauschen kann. So kann Ihre Ausrüstung langsam wachsen und sich an Ihre Bedürfnisse anpassen. Es gibt nicht DIE Tierfotografie-Kamera oder DIE Makrofotografie-Kamera, sehr wohl aber eine riesige Auswahl an Objektiven für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche.

Beachten Sie: Der Anschluß, das sogenannte Bajonett, ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich! Objektive von Nikon passen also nicht auf eine Canon-Kamera, und umgekehrt. Die Kaufentscheidung fällt somit nicht nur für eine Kamera, sondern gleich für ein ganzes Kamera-System (Objektive, Telekonverter, Zwischenringe, etc.).

Eine Glaubensfrage: Die Größe des Sensors

Ob Sie sich nun für ein Modell mit 12 MP oder 15 MP entscheiden, ist für den Einstieg absolut unwichtig. Nicht die Anzahl der Pixel ist ausschlaggebend, sondern deren Größe, sowie das damit in direktem Zusammenhang stehende. sog. Rauschverhalten des Sensors, vergleichbar mit dem Korn von hochempfindlichem Film.

Es gibt im wesentlichen 2 unterschiedliche Sensor-Formate, die für Tierfotografen interessant sind: Den Vollformat-Sensor und den etwas kleineren APS-C Sensor. Der Vollformat-Sensor ist genau so groß wie früher ein Kleinbild-Dia bzw. Negativ, nämlich 24×36mm. Die kleineren APS-C Sensoren sind etwa 23,6 x15,8mm groß, bei Canon 22,2×14,8mm.

In Bezug auf die Bildqualität sind die derzeit erhältlichen Vollformat-Sensoren von Nikon (D700, D3) das Maß aller Dinge. Für den Einstieg in die Tierfotografie sind diese Kameras aber aus 2 Gründen nicht geeignet:

  1. Preis: Die Gehäuse kosten ab ca. 2.200 € aufwärts. Viel zu teuer für einen Einstieg in die Tierfotografie!
  2. Fehlende „Brennweite“. Bei Vollformat-Sensoren ist der Bildwinkel eines 300mm Objektivs deutlich größer als bei einer Kamera mit kleinerem (Crop)-Sensor. Setzen Sie das 300mm-Objektiv z.B. an eine D90 mit einem Crop-Faktor von 1,5, entspricht der Bildwinkel einem Objektiv mit 450mm Brennweite. Man sagt, man kann das Motiv näher „heranholen“. Letztendlich ist aber einfach nur der Bildausschnitt deutlich kleiner.

Mein Rat: Suchen Sie sich für den Einstieg in die Tierfotografie eine Kamera mit APS-C Sensor aus!

Der Sucher

Grundsätzlich sehen Sie bei dem Blick durch den Sucher fast genau das, was Sie später auf den Sensor bannen. „Fast genau“, weil das Sucherbild in der Regel weniger als 100% (normalerweise etwa 95-98%) des endgültigen Bildes anzeigt. Das ist kein Problem, Sie sollten es aber bei der Komposition des Bildes beachten, da am Bildrand nach der Aufnahme plötzlich störende Elemente auftauchen können, die Sie bei der Aufnahme nicht bemerkt haben. Ein 100% Sucherbild bieten nur absolute Profi-Geräte wie eine Nikon D3 oder eine Canon 1Ds MK III.

Autofokus

Autofokus ist die technische Bezeichnung für “automatische Scharfeinstellung”. Die Kamera stellt anhand von Sensoren und einem in die Kamera oder dem Objektiv eingebauten Motor automatisch auf das gewählte Motiv scharf. Die Autofokus-Technik wurde in den letzten Jahren in großen Schritten weiterentwickelt. Während man für Landschafts- und Makrofotografie sehr gut auf den Autofokus verzichten kann, arbeiten heute nur noch sehr wenige Tierfotografen ohne dieses Hilfsmittel.

Für Anfänger empfiehlt sich auf jeden Fall die Verwendung einer Autofokus-Kamera. Es hat sicherlich auch seinen Reiz, ältere, manuell zu fokussierende Spiegelreflexkameras zu verwenden. Dies erfordert aber gerade in der Tierfotografie sehr viel Training und Erfahrung, um zu brauchbaren Ergebnissen zu gelangen. Eine moderne Autofokus-Kamera ermöglicht einen deutlich einfacheren Einstieg, und Sie werden sich schnell an den ersten scharfen und auch korrekt belichteten Ergebnissen erfreuen.

Wichtig: Achten Sie darauf, dass Ihre Wunschkamera ausreichend viele Autofokus-Messfelder besitzt. Je höher die Anzahl des Messfelder, desto präziser läßt sich Ihr Motiv scharfstellen. Eine Nikon D40 mit nur 3 Messfeldern ist beispielsweise völlig ungeeignet für bewegte Motive. Mit den 11 Messfeldern einer Nikon D90 oder den 9 Messfeldern einer Canon 500D macht der Einstieg richtig Spaß.

Serienaufnahmen

Haben Sie schon einmal hingehört, wenn ein Tierfotograf Vögel fotografiert? Spätestens dann, wenn Ihnen das nähmaschinen-ähnliche Geräusch ein zufriedenes Grinsen auf das Gesicht zaubert, sind Sie vom Virus Tierfotografie angesteckt. Dabei ist allerdings weniger das Geräusch, sondern vielmehr die Möglichkeit, schnell viele Bilder hintereinander fotografieren zu können, besonders wichtig.

Zu Beginn Ihrer Tierfotografen-Karriere werden Sie sicher zunächst Tiere in Ihrem Lebensraum oder Portraits ablichten. Aber irgendwann – und meistens schneller als Sie denken – kommt dann doch der Wunsch, den Vogel im Flug zu erwischen oder auch das Pferd im Galopp auf der Weide im Bild festzuhalten. 3 Bilder pro Sekunde sind das absolute Minimum. In der Einstiegsklasse bietet die Canon 500D 3,4 Bilder/s, die Nikon D90 sogar 4. Damit sind Sie für Ihren ersten Flugaufnahmen gewappnet. Zum Vergleich: Profi-Gehäuse liefern heute 9-10 Bilder/s. Aber trösten Sie sich: Die Profis brauchen so auch viel mehr Zeit zum Sortieren Ihrer Fotos.

Keine Glaubensfrage: Welcher Hersteller ist der Richtige?

Gute Kameras für Naturfotografen werden von vielen Herstellern angeboten. Die Firmen Nikon und Canon gehören zu den Marktführern und stellen ein umfangreiches System zur Verfügung.

Richtig, es gibt auch noch eine Reihe weiterer Hersteller, deren Kameras für Tierfotografie geeignet sein sollen. So kann man bei Sony die alten, sehr guten Minolta-Teleobjektive verwenden. Die Zuverlässigkeit der Kameras ist aber – so die Erfahrungen aus den Workshops – noch „verbesserungsfähig“, um es vorsichtig auszudrücken.

Auch Olympus zieht mit dem Four-Thirds System durch die kompakte Bauweise der Objektive die Aufmerksamkeit auf sich. Aufgrund des kleinen Sensors läßt die Bildqualität allerdings bei schlechten Lichtbedingungen deutlich nach, und auch das vom 3:2 Standard abweichende Bildverhältnis von 4:3 bereitet spätestens bei Ausdruck der Bilder Probleme.

Ich nutze seit langem das Nikon-System, weil dieser Hersteller ein umfangreiches Sortiment an Objektiven, Blitzgeräten und anderem Zubehör bietet. Außerdem passt nahezu jedes Objektiv, das jemals von Nikon gebaut wurde, auch an die modernste Digital-Kamera.

Einem Anfänger mit begrenztem Budget steht bei Nikon ein umfangreicher Gebrauchtmarkt zur Verfügung, auf dem Top-Equipment zu vernünftigen Preisen erhältlich ist. Für andere Hersteller gilt das nur sehr eingeschränkt. z.B. passen ältere, manuelle Objektive von Canon oder Minolta nicht auf die aktuellen Autofokus-Gehäuse, und können somit nicht einmal mehr eingeschränkt genutzt werden.

Die Wahl der Kamera

Welche Kamera es nun letztendlich wird, das sollten Sie ganz entscheidend von Ihren eigenen Vorlieben abhängig machen. Vernünftiger wäre es natürlich, die Kamera eher nach den Anforderungen auszuwählen. Aber als Einsteiger kennen Sie die nun leider halt noch nicht.

Von den Profi-Maschinen mit Magnesiumgehäusen und ausgeklügelten Autofokus-Systemen lassen Sie am Anfang besser die Finger. Anfänger sollten vielmehr eine Kamera wählen, die einerseits gewisse Automatikfunktionen bietet, andererseits aber auch bereits die fotografische Weiterentwicklung berücksichtigt und manuelle Eingriffe z.B. für Belichtungs-Korrekturen zulässt. Diese Geräte, wie z.B. eine Nikon D90, werden heute für ca. 800 € im Fachhandel angeboten.

Investieren Sie in ein System, das auch Ihren zukünftigen Anforderungen gerecht werden kann. Ein Wechsel zwischen Systemen zu einem späteren Zeitpunkt ist in der Regel recht kostspielig.

Meine Empfehlung für den Einstieg:

Kriterien für den EinstiegNikon D90Canon 500D
Sucherfeld96 %95 %
Anzahl AF-Felder119
Serienaufnahmen pro Sek. 43,4
Spotmessungjaja
Brennweiten-Verlängerung
(Corpfaktor)
1,51,6
Marktpreis ca. 750 €ca. 680 €

© Claus Brandt 2009

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