01. August 2010

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Tipps zur Vogelfotografie

23.November 2009 von Rosl Roessner  
aus der Rubrik Tierfotografie

vogelfotografie-zoo-8-300Die Vogelfotografie ist eines der beliebtesten Teilgebiete der Tierfotografie. Doch was macht die Vogelfotografie so besonders? Ist es die endlose Geduld, die man zum Beobachten, beim Warten auf den Vogel oder den besonderen Moment benötigt? Ist es die Ungewissheit, welchen Vogel man zu Gesicht bekommen wird oder ob man überhaupt erfolgreich vom Ausflug nach Hause kehren wird? Ist es vielleicht die Vielfalt der Vogelwelt, der Meisen, Enten, Eulen oder Greifvögel? Oder ist es die Faszination dieser Tiere, die enge Verknüpfung der Vögel mit unseren deutschen Jahreszeiten, die Verbindung zwischen Himmel, Wasser und Erde?

Für mich persönlich kann ich diese Fragen gut beantworten: Es ist von allem Etwas, und ganz besonders die Mischung aus Spannung und Erholung, grenzenloser Ruhe in der Ansitzhütte, abschalten vom Alltag, Pause vom Mobiltelefon, Radio und Fernsehen. Auf jeden Fall ist es eine ganz spezielle Herausforderung, wenn man sich näher mit diesem Thema beschäftigen möchte.

Vielfältige Möglichkeiten

Die Vogelfotografie ist nicht so einseitig, wie man zunächst denken mag. Es bieten sich vielfältige Möglichkeiten, mit der Vogelwelt in Kontakt zu kommen. Die ersten fotografischen Begegnungen finden oft an den winterlichen Futterstellen im Garten oder im städtischen Zoo um die Ecke statt.

Foto: Rosl Rößner

Foto: Rosl Rößner

Schon diese beiden verschiedenen Lebensräume konfrontieren den Fotografen mit zwei grundverschiedenen Situationen:
Im Zoo hat man es in der Regel mit den großen, eher langsameren Vogelarten zu tun: Strauße, die gemütlich durch die Gehege stapfen, Pinguine, die auf ihren Felsen ruhen, oder Flamingos in geselliger Gruppe, die zu Detailaufnahmen reizen.

Am Futterhaus findet man das genaue Gegenteil vor: schnelle, kleine Vögelchen, die aufgeregt hin und her huschen und stets eine neue Herausforderung für den Fotografen am Auslöser sind.

In diesem und den folgenden Artikeln möchte ich darauf eingehen, wie man mit den verschiedensten Situationen der Vogelfotografie umgeht, um perfekte und spannende Bilder zu erhalten.

Im Zoo

Der Zoo bietet dem Anfänger in der Vogelfotografie hervorragende Möglichkeiten um die wichtigsten Grundlagen zu erlernen. Die benötigte Ausrüstung hält sich in Grenzen: schon mit einem recht günstigen Zoomobjektiv kann man beeindruckende Bilder mit nach Hause bringen.

Foto: Rosl Rößner

Foto: Rosl Rößner

Zoomobjektive mit einer Brennweite von bis zu 200mm sind zunächst völlig ausreichend. Bei sommerlichem Sonnenschein reichen in der Regel bereits die weniger lichtstarken Objektive, für kürzere Belichtungszeiten auch im herbstlichen Grau zahlen sich allerdings die schnellen, lichtstarken Objektive mit einer Lichtstärke von f 2.8 oder f 4.0 in jedem Fall aus.

Wichtiger als die Investition in teure Ausrüstung ist es, das fotografische Auge zu schulen. Wenn Sie bei Ihren ersten Versuchen die folgenden Regeln beachten, gelingt das gute Vogelbild noch schneller:

 

Konzentration auf das Wesentliche

Bringen Sie möglichst wenig ins Bild, das den Vogel „eingesperrt“ zeigt – also keine Volierenelemente, Drahtgitter, Hinweisschilder oder Futterbehälter.

Ein kleiner Schritt nach rechts oder links, oder ein leichtes Heben oder Senken der Kamera kann störende Elemente oft schon aus dem Bild befördern. Muss man einmal durch den Volierendraht fotografieren, dann gilt: mit dem Objektiv so nah an das Gitter wie möglich (hier darf sogar einmal die Sonnenblende abgenommen werden), um den Draht optisch verschwinden zu lassen. Bei Aufnahmen, die durch Glas hindurch gemacht werden, sollte das Objektiv möglichst direkt ans Glas angelegt werden, um Spiegelungen und Lichtreflexe zu vermeiden.

Auf Augenhöhe mit dem Vogel gehen

Die schönste Mandarinente wirkt nicht, wenn sie von oben herab auf dem Teich paddelnd abgebildet wird. Ganz zu schweigen von den Herrschern der Lüfte: zum Adler darf man aufschauen, der Blick von oben auf sein Kopfgefieder wirkt geradezu „erniedrigend“!

Konzentration auf das Motiv

Der afrikanische Kronenkranich passt zwar thematisch zu Zebra und Gazelle, auf dem Bild wird er aber recht verloren wirken, wenn er zwischen seinen Kontinentalkollegen umherspaziert. Beim Fotografieren der Flamingogruppe muss eine Entscheidung gefällt werden: Detailaufnahme, Portrait, Einzeltier oder Gruppenbild? Möchte man mehrere Tiere ins Bild setzen, dann braucht man schon etwas Geduld bis der Blick auf die ersehnte Gruppe perfekt ist; schließlich soll kein abgeschnittener Schnabel oder die Hinterpartie eines Einzeltieres die Konzentration auf die eigentliche Gruppe stören.

Foto: Rosl Rößner

Foto: Rosl Rößner

Ruhe und Geduld

Es lohnt sich, sich bei einem Zoobesuch auf wenige Vogelarten oder Volieren zu beschränken. Um ein perfektes Bild vom Pelikan zu bekommen, kann man ruhig ein bis zwei Stunden bei der Pelikangruppe verweilen. Beobachten Sie die Tiere in Ruhe und lernen Sie ihre Verhaltensweisen kennen. So gelingt es Ihnen, sie in den verschiedensten Situationen abzulichten. Mit etwas Glück werden Sie für Ihre Geduld mit dem erhofften, ganz speziellen Bild belohnt. Spielerisch kann man mit den verschiedenen Techniken experimentieren und immer wieder neue Bildideen entwickeln.

 

Das Stativ mitnehmen

Gerade wenn man sich stundenlang an einer einzigen Voliere aufhält, kann es von großem Nutzen sein, das Stativ dabeizuhaben. Zum einen erreicht man eine deutlich bessere Schärfe und Bildqualität, zum anderen kann man die Kamera spielend leicht auf Augenhöhe mit dem Vogel bringen, ohne selbst zu ermüden. Gerade, wenn man vielleicht stundenlang in der Hocke verharren muss, um den Pinguin beim Schnäbeln mit seinem Partner zu erwischen, wird auch schon ein halbwegs leichtes 70 – 200mm Objektiv zur Kraftprobe für seinen Besitzer. Aber Achtung: Viele Vögel haben Angst vor dem Stativ, wenn der Fotograf es hektisch und mit großen Bewegungen aufbaut und transportiert. In manchen Greifvogelanlagen sind Stative aus diesem Grunde sogar verboten – aber dazu kommen ich noch bei meine Fototipps für die Greifvögel.

Nicht abschrecken lassen

Anfangs kostet es zwar etwas Überwindung, aber es lohnt sich: wenn das erträumte Bild nur entstehen kann, indem man sich im Zoo flach auf den Boden legt: warum nicht? Wenn man sich die Knie schmutzig machen muss, warum nicht? Die erstaunten Blicke der anderen Zoobesucher sind schnell vergessen, wenn man abends am Rechner die spannenden Bilder, die dabei entstanden sind, betrachten darf. Übrigens sollte man sich auch durch tristes oder regnerisches Wetter nicht abschrecken lassen: gerade dann können Bilder entstehen, die sich von der breiten Masse der bereits gesehenen Zoobilder abheben!

Foto: Rosl Rößner

Foto: Rosl Rößner

Die Tiere und die Vorschriften respektieren

Es gibt unbegrenzte Möglichkeiten, hervorragende Bilder zu gestalten, ohne dass man dafür Zäune überklettern, Tiere verbotenerweise füttern oder sonst wie beeinflussen müsste. Die richtige Bildkomposition, Zeit und Ausdauer sind die besten Helfer auf dem Weg zum perfekten Bild im Zoo.

Wenn der heimische Zoo keine neuen Motive mehr zu bieten hat, dann lohnt sich die Recherche im Internet: Welche Tiergärten in der näheren Umgebung bieten sich dem Fotografen an? Werden dort vielleicht sogar seltene Vogelarten gehalten? Hat man die Möglichkeit, Freiflugvolieren zu betreten, in denen man den Vögeln ganz ohne störende Gitter- oder Glaselemente zu begegnen?

Nach dem Training im Zoo sind Sie bereit für die nächste Stufe der Vogelfotografie: die Aufnahmen in den Greifvogelanlagen und den Falknereien. Mehr dazu im nächsten Artikel.

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