01. August 2010

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Eine Herausforderung: Vögel an der Futterstelle fotografieren

07.Dezember 2009 von Rosl Roessner  
aus der Rubrik Tierfotografie

Foto: Rosl Rößner

Foto: Rosl Rößner

In Deutschland ist die winterliche Fütterung der heimischen Singvögel an einem kleinen Futterhaus im Garten weit verbreitet. Wenn eine solche Futterstelle über Jahre hinweg betrieben wird, lassen sich häufig eine ganze Menge Vogelarten an der Futterstelle beobachten. Je nachdem, ob sich der Garten in der Stadt, in ländlichem Gebiet oder am Waldrand befindet, unterscheiden sich die Vogelarten, und es können sich durchaus auch seltene Besucher einfinden. Was liegt da näher, als sich mit der Kamera zu bewaffnen und die gefiederten Gäste auf den Speicherchip zu bannen?

Es wird zunächst relativ leicht gelingen, Fotos der hungrigen Vögel zu machen.Weitaus schwieriger ist es dann allerdings, auch tatsächlich zu interessanten Fotos der Tiere zu gelangen. Die ersten Bilder werden vielleicht unscharf, weil die kleinen Vögel sich zu schnell bewegt haben, sie zeigen den Vogel möglicherweise in einer unschönen Position von schräg hinten, oder es befinden sich zu viele störende Zweige oder Teile vom Futterhaus im Bild.

Mit den nachfolgenden Tipps zur Gestaltung der Futterstelle und den richtigen Kamera-Einstellungen möchte ich Sie motivieren, es doch auch einmal zu versuchen.

Mit einfachen Mitteln: Sitzast mit Meisenknödel vor ruhigem, natürlichem Hintergrund. Foto: Viola Brandt

Mit einfachen Mitteln: Sitzast mit Meisenknödel vor ruhigem, natürlichen Hintergrund. Foto: Viola Brandt

Die ideale Futterstelle für Vogelfotografie

Über den Aufbau der Futterstelle, die quasi unser „Outdoor-Fotostudio“ darstellt, sollte man sehr gut nachdenken, denn hier werden die Weichen für die spätere Bildgestaltung gestellt. Überlegen Sie sich, ob Sie die Vögel absichtlich mit der künstlichen Futterstelle zeigen wollen, oder eher Portraits der Vögel vor klarem Hintergrund Ihr Ziel sind.

Auch die Komfort-Frage müssen Sie für sich beantworten: Wenn Sie gerne draußen sind und Ihnen auch winterliche Temperaturen nichts ausmachen, können Sie ein Tarnzelt nutzen. Deutlich bequemer dagegen wird es, wenn die Futterstelle auf der Terrasse oder im Garten aufgebaut werden kann und Sie durch die Fensterscheibe fotografieren.

Von drinnen nach draussen …

Foto: Rosl Rößner

Foto: Rosl Rößner

Das Fotografieren durch Fensterglas geht erstaunlich gut, wenn das Objektiv mit der Sonnenblende direkt an der Scheibe angesetzt wird, so dass keine störenden Spiegelungen auf dem Bild erscheinen. Die Voraussetzung für gelungene Bilder durch das Fenster ist natürlich, dass dieses auch regelmäßig geputzt wird …

Wenn man sich langsam und vorsichtig hinter dem Fenster bewegt, gewöhnen sich die Vögel recht gut an den Menschen, und nach kurzer Zeit reagieren sie nicht mehr sehr schreckhaft, wenn sie den Fotografen entdecken. Besonders empfehlenswert ist es, die Kamera auf dem Stativ aufgebaut zu lassen (wenn es sicher genug steht!), damit sich auch die scheuen Vogelarten an den Aufbau gewöhnen.

Grundsätzlich muss man bei der Vogelfütterung in Fensternähe darauf achten, dass die Vögel die Fenster als Hindernis erkennen und nicht gegen die Scheiben fliegen, wenn sie zum Beispiel durch einen Greifvogel wie den Sperber erschreckt werden. Das Anbringen von Vogelsilhouetten (unbedingt von außen anbringen, sonst nützen sie nichts) kann ein wenig helfen. Ich habe vor meinen Fenstern kleine Windspiele angebracht, die sich im Wind etwas bewegen und von den Vögeln als Hindernis wahrgenommen werden.

Foto: Rosl Rößner

Foto: Rosl Rößner

Aus dem Tarnzelt

Wird die Futterstelle weiter entfernt angelegt, z.B. im Garten oder auf einem Freizeitgrundstück, ist es eine gute Idee, sich ein kleines Tarnzelt zu besorgen, aus dem man die Vögel beobachten und fotografieren kann. Diese Zelte gibt es schon unter 100 Euro im Fachhandel, und sie ermöglichen das Ansitzen, ohne dass die Vögel sich am Fotografen stören. Im Zelt muss allerdings genug Platz für einen einigermaßen bequemen Sitzplatz (schließlich will man mehrer Stunden dort verbringen) und ein stabiles Stativ sein.

Die Anlage der Futterstelle

Beim Anlegen der Futterstelle sollte man einige Punkte berücksichtigen, damit man zu den erhofften, beeindruckenden Bildern kommt:

  1. Der Fotograf sollte etwa auf Augenhöhe der Vögel kommen, die Sitzäste (für die Vögel …) müssen also in passender Höhe angebracht werden.
  2. Wählen Sie einen ruhigen Hintergrund, wie etwa einen weiter entfernten, immergrünen Baum.
  3. Verwenden Sie natürliche Sitzäste ohne Schnitt- oder Sägekanten. Die Äste können auch öfters einmal ausgewechselt werden, um immer wieder für Abwechslung auf den Fotografien zu sorgen.
  4. Berücksichtigen Sie den Sonnenstand. Die schönste Futterstelle nutzt nichts, wenn die Vögel immer im Gegenlicht oder immer im Schatten zu sehen sind.
  5. Denken Sie bei allem fotografischen Ehrgeiz auch den Schutz der Tiere. So müssen die Vögel zum Beispiel bei Angriffen durch Katzen oder Greifvögel rechtzeitig Schutz finden können.
  6. Die Futterstelle muss regelmäßig gereinigt werden und es darf natürlich nur geeignetes Vogelfutter angeboten werden.

Die Kameraeinstellungen und die Ausrüstung

Bereits für Portraitaufnahmen benötigt man eine Belichtungszeit von etwa 1/400 sek., denn bereits eine kleine Drehung des Kopfes reicht aus, das Auge des Vogels unscharf werden zu lassen.

Kleinvögel sind extrem schnell und wendig, und um sie auch in Bewegung, also z.B. beim An- oder Abflug scharf abzulichten, sind sehr kurze Belichtungszeiten notwendig. Wenn der Vogel formatfüllend dargestellt wird, sind Belichtungszeiten von 1/1000 sek. oder kürzer unumgänglich, wenn die Bewegung bis in die Flügelspitzen eingefroren werden soll. Eine leichte Bewegungsunschärfe in den Flügeln ist sehr reizvoll, allerdings ist eine gehörige Portion Glück notwendig, damit der Kopf des Vogels nicht auch von der Unschärfe betroffen ist, was das Bild dann meistens leider unbrauchbar macht.

Foto: Rosl Rößner

Foto: Rosl Rößner

Derart kurze Belichtungszeiten setzen viel Licht oder sehr lichtstarke Objektive voraus.
Leider muss die Blende oft etwas geschlossen werden (etwa auf 6.3 bis 8), wenn der Vogel bei einem Portrait von der Schnabel- bis zur Schwanzspitze scharf erscheinen soll. Das raubt natürlich einiges an Licht, und oft bleibt kaum eine andere Wahl, als mit der ISO-Einstellung bis an die Leistungsgrenze der Kamera zu gehen.

Für die Aufnahmen am Futterhaus benötigen Sie auch die maximale Brennweite, die Ihr Fotorucksack zu bieten hat. Um eine Blaumeise formatfüllend abzubilden, sind 200 mm Brennweite an einer Vollformatkamera deutlich zu wenig. Wenn Ihnen die passende Brennweite fehlt, hilft eine Kamera mit Cropfaktor (kleinerer Sensor) dabei, den Bildwinkel zu verringern und so ein wenig näher heranzukommen. Erst lichtstarke Festbrennweiten von 300 mm, 400 mm oder gar 500 mm ermöglichen hochwertige Bilder. Auch können sie teilweise sogar noch mit einem Konverter eingesetzt werden, um die Details der einzelnen Vögel so richtig ins Bild zu setzen.

Das besondere Bild…

Sind die ersten Bilder richtig belichteten und scharfen Bilder gemacht, steht der nächste Schritt an: Die Gestaltung von Bildern, die sich von der Masse abheben, die etwas „Besonderes“ sind. Dafür verrate ich gerne mein Geheimrezept: Zeit, Geduld und Glück!
Man muss Stunden über Stunden in meinem Tarnzelt verharren, bis das perfekte Bild der Kohlmeise im Anflug gelungen ist. Man muss den Grünfinken im Sucher behalten, genau bis zu dem Moment, in dem er sich schüttelt, die Flügel anhebt und dabei gähnt und nur nach tagelangem Warten „erwischt“ man vielleicht das Buntspechtpaar gemeinsam an der Futterstelle.

Je mehr Zeit man mit dem Beobachten der Vögel verbringt, desto mehr tolle und spannende Momente wird man erleben, und auf seinen Bildern festhalten dürfen.

Das Fotografieren von Kleinvögeln an der Futterstelle ist also gar nicht so einfach, kann aber im Winter ganz unterhaltsam sein und ist in jedem Fall ein ganz hervorragendes Training für die pure Wildlife Fotografie.

Autor: Rosl  Rößner

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