01. August 2010

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Vogelfotografie in freier Wildbahn

28.Dezember 2009 von Rosl Roessner  
aus der Rubrik Tierfotografie

Raus in die Natur! Nach dem Training im Zoo und an der Futterstelle geht’s jetzt nach draußen: die Vogelwelt erwartet Sie schon!

Keine Bilder ohne Vorbereitung

Der Erfolg Ihrer Fototour hängt wesentlich von einer gründlichen Planung im Vorfeld ab. Zunächst müssen Sie entscheiden, welche Vogelart Sie fotografieren möchten. Recherchieren Sie daheim, wo Sie Ihren favorisierten Vogel in Ihrer Umgebung finden können. Denn ein Steinkauz hat einen völlig anderen Lebensraum als zum Beispiel der Graureiher. Setzen Sie Ihre Ansprüche zu Beginn Ihrer ersten Bilder in freier Wildbahn nicht zu hoch: manche Vögel sind extrem selten und schwer zu fotografieren.

steinschmaetzerAlternativ können Sie sich auch ein bestimmtes Gebiet heraussuchen und dort Ihre Fotopirsch beginnen, unabhängig davon, welche Vögel Ihnen dort begegnen können. Machen Sie sich mit den verschiedenen Lebensräumen in Ihrer Region vertraut. Wenn Sie genügend Geduld haben, werden Sie erstaunt sein, wie viele verschiedene Vögel selbst in einem kleinen Stadtpark anzutreffen sind.

Geeignete Ausflugsziele sind leicht zu finden. Alle Teiche und Seen sind begehrte Lebensräume: verschiedene Entenarten, Reiher, Teichhühner, Haubentaucher, Eisvögel, Zaunkönige, Bachstelzen und Kleinvögel wie Rohrsänger und Grasmücken können hier beobachtet werden. Streuobstwiesen beherbergen Eichelhäher, Spechte, Neuntöter, diverse Ammern, Haus- und Gartenrotschwänze.

Ein lohnendes Ziel sind auch Feuchtwiesen und Schilfgebiete: neben den hübschen Schwarz- und Braunkehlchen können Sie mit etwas Glück Rohrammern, Bartmeisen, verschiedene Sängerarten, oder auch die seltene Rohrweihe vor die Kamera bekommen. Die heimischen Eulen und Käuze können vor allem in lichten Wäldern oder an Waldrändern angetroffen werden.

Friedhöfe, Parks, Weinbaugebiete, sogar Industriegebiete und Parkplätze werden von den verschiedensten Vogelarten bevölkert. Schwarzmilane und selten gewordene Kolkraben halten sich sogar mit Vorliebe an Mülldeponien auf!

Nah ran mit guter Tarnung

Vögel zu finden ist also überhaupt kein Problem, vor allem im Frühjahr und im Sommer. Allerdings haben fast alle Vögel einen ausgeprägten Fluchtinstinkt,, und die größte Herausforderung ist es, nah genug heran zu kommen. Der Trick ist auch hier wieder: gut planen und dann warten.

wildlife-3Es ist fast aussichtslos, sich zu Fuß, mit einer Kamera bewaffnet durch die Landschaft zu bewegen und dabei formatfüllende Bilder eines Zaunkönigs mit nach Hause zu bringen. Wenn ich bei einem Spaziergang einen Zaunkönig an einem kleinen Bachlauf beobachtet habe, dann kann ich aber mein Tarnzelt in der Nähe dieser Stelle aufbauen. Wenn ich bereit bin, den nächsten Tag mit meiner Ausrüstung in meinem Zelt zu verbringen, dann werden mir höchstwahrscheinlich gute Bilder des Winzlings gelingen. Ein gemütlicher Stuhl, etwas zu trinken und vielleicht eine kleine Brotzeit sollten nicht fehlen, damit der Tag in positiver Erinnerung bleibt!

Bevor Sie Ihr Zelt aufstellen, müssen Sie ein paar Dinge beachten: holen Sie die Genehmigung des Grundstücksbesitzers ein, gehen Sie sicher, dass Sie nicht in die Nähe eines Nestes kommen, und beobachten Sie den Vogel vorher aus einiger Distanz lange genug um sicher zu gehen, dass er die Stelle regelmäßig aufsucht.

Suchen Sie den richtigen Platz für das Tarnzelt aus: beachten Sie den Sonnenstand und den Bildhintergrund. Planen Sie Ihr Bild schon am Tag zuvor, damit das Bildergebnis Sie dann auch gebührend für das lange Warten belohnt!

Das Auto als Ansitz nutzen

Alternativ zum Tarnzelt können Sie Ihr Auto ganz hervorragend als Tarnung nutzen. Fast alle Vögel in unseren besiedelten Gebieten sind an Autos gewöhnt. Sie fühlen sich durch das Auto kaum gestört und selbst, wenn sie kurz auffliegen, kommen sie wenig später wieder und verhalten sich völlig normal, so lange Sie Ihr Auto nicht verlassen. Bei scheuen oder schreckhaften Arten, können Sie die Scheiben mit einem Tarnschal verhängen, so dass die Vögel Ihren Umriss nicht erkennen und somit Ihre Bewegungen im Auto unbemerkt bleiben.

Möchten Sie Ihr Auto als Versteck nutzen, sind Sie allerdings auf öffentliche Wege und Straßen beschränkt. Naturschutzgebiete, die meisten Seen und Feuchtgebiete bleiben damit unerreichbar.

Beobachtungshütten

In vielen Naturschutzgebieten gibt es allerdings eigene Beobachtungshütten, die Sie nutzen können. Mit etwas Geduld können dort ebenfalls gute Aufnahmen gelingen.

Es lohnt sich, spezielle Literatur zu nutzen, um interessante Vogelbeobachtungsgebiete kennen zu lernen. Leider habe ich aber schon oft die Erfahrung machen müssen, dass die bei den Vogelbeobachtern beliebten Ausflugsziele mich nicht nah genug an die Tiere heranbringen.

Neben den deutschen Landschaften bieten sich Unmengen an Reisezielen in der ganzen Welt an. Vögel wird man überall finden!

Die Ausrüstung

Leider muss man für die passende Ausrüstung für die Fotografie von Vögeln in Deutschland in freier Wildbahn recht tief in die Tasche greifen. Es ist schnell auf den Punkt gebracht: ein Teleobjektiv muss sein. Und zwar das Beste, das man sich leisten kann. Je mehr Brennweite, desto besser! Für eigens konstruierte Ansitzhütten sind 300mm Objektive teilweise ausreichend, für Aufnahmen in der freien Natur sind 500mm nötig. Ich persönlich benutze fast immer zusätzlich zu meinem 500mm-Objektiv einen Telekonverter, um den Vogel ausreichend groß auf das Bild zu bekommen.

wildlife-6Der Einsatz eines Telekonverters setzt wiederum voraus, dass man ein lichtstarkes Objektiv von hoher Qualität einsetzt, ansonsten funktioniert der Autofokus nicht mehr oder nur noch extrem langsam. Außerdem verliert man, je nach Konverter 1 – 2 Blenden Lichtstärke, und somit werden schnelle Verschlusszeiten immer schwieriger zu erreichen. Ich rate bei Einsatz eines Telekonverters, eine Blendenstufe abzublenden. Allerdings muss man dafür schon einen wirklich sehr hellen, sonnigen Sommertag haben.

Mein persönliches Lieblingsobjektiv ist das 500mm f 4, das ich ohne allzu große Qualitätsverluste mit einem Konverter kombinieren kann.

Vogelfotografen entscheiden sich bei der Wahl der Kamera gerne für eine Kamera mit Cropfaktor. Durch den kleineren Bildwinkel wird der Vogel noch etwas größer im Bild abgebildet, als das bei einer Vollformatkamera der Fall wäre.
Die neueren Spiegelreflexkameras erlauben das Arbeiten mit relativ hohen ISO Einstellungen. Das erweist sich als großer Vorteil, wenn man mit Telekonverter, oder in der Dämmerung, bzw. in schattigen Waldgebieten fotografieren möchte.

Wichtig: Stativ oder Bohnensack

Um eine optimale Schärfe zu bekommen ist das Stabilisieren der Kamera ein absolutes Muss! Freihandaufnahmen mit den schweren, großen Objektiven werden die Ausnahme sein, denn dabei sind kaum scharfe Bilder zu erwarten. Beim Ansitz in der Hütte oder im Zelt ist das Stativ mit Videoneiger oder Teleschwenkbügel die bequeme Lösung. So kann man sich in den Pausen entspannen und ist trotzdem jederzeit bereit, den Auslöser zu drücken.

Fotografiere ich aus dem Auto heraus, ist der Bohnensack (Beanbag), meine erste Wahl. Vor allem die „Luxusversion“, der Double Beanbag von Arthur Morris ermöglicht das stabile Auflegen von großen Objektiven. Alternativ kann man auch das Autoscheibenstativ verwenden, das allerdings nicht mehr ganz so viel Flexibilität ermöglicht.

Pirscht man sich einmal zu Fuß an einen Vogel heran, dann können Felsen oder Baumstümpfe als stabile Kameraauflage genutzt werden. Muss man sich, um auf Augenhöhe mit dem Vogel zu kommen, flach auf den Boden legen (zum Beispiel bei den Watvögeln am Strand), kann man die Kamera und das Objektiv mit dem Bohnensack stabilisieren.

Die Einstellungen an der Kamera

Jetzt zahlt sich die Vorbereitung im Zoo, in der Flugshow und am Futterhaus aus. Der Umgang mit der Blendenvorwahl oder die Voreinstellung einer kurzen Belichtungszeit gelingt Ihnen jetzt doch schon im Schlaf, oder?

Ein Blick auf die Anzeige der wichtigsten Daten im Sucher sollte zur Routine gehören, damit unscharfe Aufnahmen der Vergangenheit angehören. Wenn die angezeigte Belichtungszeit nicht mehr ausreicht, um scharfe Fotos zu bekommen, und die Blende schon maximal geöffnet ist, dann muss die ISO Einstellung nach oben korrigiert werden, wenn man kein Bild verpassen will.

Allerdings kann man auch Glück haben. Ich habe vor Kurzem am späten Nachmittag meinen ersehnten Vogel, den Steinkauz gefunden: er war weit weg, es war schon dämmerig, der Tag war grau. Ich hatte das 500mm Objektiv mit einem 2xKonverter an der Kamera und habe aus dem Auto heraus fotografiert. Bei ISO 2000 und Offenblende sind mir sogar noch bei 1/30 sek. scharfe Aufnahmen geglückt. Allerdings sind natürlich nur diejenigen scharf geworden, bei denen der Kauz sich nicht bewegt hat. Unter diesen Bedingungen hätte es überhaupt keinen Sinn gehabt, flinke Strandläufer auf Futtersuche zu fotografieren.

Bildgestaltung

Vor lauter Begeisterung vergisst man Anfangs leicht die Grundregeln der Bildgestaltung, wenn man einen freilebenden Vogel vor die Kamera bekommt. Das Berücksichtigen der Regeln entscheidet allerdings später darüber, ob ein Bild ein wirklicher Hingucker ist oder eben doch nur ein Bild von einem Vogel….

wildlife-7Ich versuche meist, den Vogel sowohl im Quer- wie auch im Hochformat zu fotografieren. Bei der Platzierung des Vogels im Bild achte ich besonders darauf, dass er vor dem Kopf, also in Blickrichtung ausreichend Platz bis zum Bildrand hat. Sonst wirkt er später im Bild eingeengt. Natürlich sollte man keine Körperteile „abschneiden“, es sei denn, man macht einen beabsichtigten Schnitt, der dann aber gut gewählt sein muss, damit das Bild die richtige Wirkung hat.

„Raus aus der Mitte“ ist die bereits bekannte Regel auch bei Freilandaufnahmen. Für eine  Frontalaufnahme eines Vogels ist allerdings eine mittige Platzierung meist ganz passend.
Zusätzlich gelten dieselben Grundsätze, die ich in den letzten Artikeln schon beschrieben habe: auf Augenhöhe gehen, Blickkontakt zum Tier suchen, das Licht berücksichtigen, auf den besonderen Moment warten.

Nicht stören!

Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Tiere keinem Stress ausgesetzt werden. Aufnahmen am Nest müssen nicht sein und sind in Deutschland teilweise verboten. Geschützte Arten dürfen ohne Genehmigung ohnehin nicht während der Brutzeit in Nestnähe fotografiert werden. Während der Ansitzzeit sollte man sein Versteck so selten wie möglich verlassen um die Störung der Vögel gering zu halten.

Wenn alles geplant und berücksichtigt ist, dann brauchen Sie nur noch eines: eine große Portion Glück!

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