01. August 2010

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Tarnzelt-Fotografie

04.Januar 2010 von Thomas Block  
aus der Rubrik Tierfotografie

Warum ein Tarnzelt?

Tarnzelte sind in der Wildlife-Tierfotografie ein unentbehrliches Hilfsmittel. Gerade in Westeuropa sind die Fluchtdistanzen der Tiere enorm, und erst eine gute Tarnung ermöglicht überhaupt Aufnahmen besonders störungsempfindlicher Arten. Aber auch bei Tierarten, die sich durchaus auch ohne Tarnzelt fotografieren lassen, wie etwa viele einheimische Singvögel, kann ein Tarnzelt erhebliche Vorteile bringen. Denn nur wenn sich die Tiere unbeobachtet fühlen, zeigen sie ihr natürliches Verhalten.

Arbeiten mit dem Tarnzelt

Ein Nachteil des Tarnzeltes soll nicht verschwiegen werden: Hat man es nicht sorgfältig positioniert und lässt sich das erwartete Tier an der falschen Stelle nieder, ist man sehr unflexibel, um auf diese veränderte Situation zu reagieren. Vorschläge für mobile Tarnzelte gibt es zwar, ob diese aber praktikabel sind mag der geneigte Leser entscheiden:
http://www.poelking.com/wbuch2/tarnzeltmobil/tarnzeltweb.htm

© Thomas Block

© Thomas Block

Der richtige Ort zum Aufstellen ist also für den Erfolg entscheidend. Wer sein Tarnzelt einfach in den Wald stellt in der Hoffung, es wird bald ein fotografisch interessantes Tier vorbeikommen, ist ein großer Optimist, dessen Geduld sehr strapaziert werden wird. Es ist also anzuraten, die Tiere erst eine Weile aus sicherer Entfernung mit dem Fernglas zu beobachten, um ihr Verhalten und die am liebsten aufgesuchten Plätze zu sondieren. Bei sorgfältiger Vorbereitung wird es zum Beispiel leicht sein, einen Eisvogel auf seinem bevorzugten Ansitzast zu fotografieren.
Man darf sich je nach erwünschter Tierart aber keineswegs der Illusion hingeben, dass man gleich auf Anhieb die erwünschten Bilder schießt. Deshalb an dieser Stelle einmal ganz deutlich: Tarnzeltfotografie erfordert Geduld!

Bei besonders empfindlichen Arten kann es erforderlich sein, das Zelt erst über einige Tage aufzustellen, damit sich die Tiere daran gewöhnen. Häufig liest man, dass man möglichst zu Zweit mit einem Begleiter zum Zelt gehen sollte. Der Begleiter geht dann wieder und lässt den Fotografen im Zelt zurück. Als Begründung für diese Taktik wird angegeben, dass Vögel nicht zählen können! Ähnliches konnte ich bisher nicht beobachten und würde dies in den Bereich der “Folklore” einordnen, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

© Thomas Block

© Thomas Block

Es ist durchaus nicht außergewöhnlich, dass man jeden Abend der Woche drei Stunden im Zelt sitzt und keine einzige vorzeigbare Aufnahme gemacht hat. Es gibt dann aber auch wieder die Tage, wo man sich gerade ins Zelt gesetzt hat und schon die ersten Bilder machen kann. Seien Sie nicht frustriert, wenn es nicht gleich so läuft wie gewünscht, sondern genießen Sie die Ruhe der Natur – Tarnzeltfotografie als Entspannung vom Alltagsstress…

Die Erfolgsaussichten lassen sich freilich steigern, wenn man die Tiere anfüttert oder künstliche Ansitzäste benutzt. Ich bin kein großer Freund dieser Manipulationen. Wenn so vorgegangen wird, sollte es für den Naturfotografen selbstverständlich sein, seine Aufnahme als “wild und kontrolliert” anstatt als “wildlife” zu deklarieren.

Welches Tarnzelt?

Eine Frage, die sehr häufig gestellt wird. Ich möchte im Folgenden die beiden in Deutschland wohl gebräuchlichsten Tarnzelte vorstellen:

Birdwatching vom Brenner Fotoversand

http://www.alles-foto.de

  • Standfläche 110 x 110 cm, Höhe 140 cm
  • Packmaß Durchmesser 50 cm, Gewicht 2,4 kg
  • Eine Öffnung zum Fotografieren, ein Einstieg, 2 Sehschlitze mit Mosquitonetz
  • 4 Heringe zur Befestigung am Boden
  • nicht blickdicht, mäßige Verarbeitungsqualität
  • Preis ca. 100 EUR

Doghouse von Ameristep

http://www.augenblicke-eingefangen.de/catalog

  • Standfläche 152 x 152 cm, Höhe 172 cm
  • Packmaß Durchmesser 61 cm, Gewicht 6,3 kg
  • Drei variable Öffnungen zum Fotografieren, ein Einstieg, variable Sehschlitze mit Mosquitonetz
  • 8 Heringe zur Befestigung am Boden, Abspannleinen
  • blickdicht, sehr gute Verarbeitung
  • Preis ca. 110 EUR

Nun, was denken Sie – welches Tarnzelt bevorzuge ich? Die reinen Fakten sprechen ganz klar für das Doghouse: Solide, geräumig, hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis. In der Praxis ist es jedoch das Birdwatching, das bei mir weitaus häufiger zum Einsatz kommt. Ausschlaggebend hierfür sind zwei Faktoren: Zum einen das deutlich niedrigere Transportgewicht und vor allem die geringe Standfläche, die auch einen Einsatz an beengten Standorten, wie z.B. an Flussufern ermöglicht. Nachteilig ist in jedem Fall der geringe Komfort. Nach einigen Stunden zusammen mit einer umfangreichen Fotoausrüstung in diesem Zelt ist es um den körperlichen Zustand des Fotografen nicht zum Besten bestellt.

Tarnzelt 03Das Doghouse hingegen bietet sich an, wenn genug Stellfläche vorhanden ist und der Aufenthalt für eine längere Zeit geplant ist. Im Doghouse kann man auch einmal ein Nickerchen machen oder sich recken und strecken, mit zwei oder drei Stativen nach allen Seiten hinaus fotografieren oder auch zu zweit ansitzen. Auch wenn das Zelt über Nacht stehen bleiben soll, ist das Doghouse aufgrund der soliden Bauweise und der Abspannleinen die erste Wahl.

Ein vermeintlicher Vorteil des Doghouse, nämlich die Undurchsichtigkeit im Gegenlicht (Tiere können Bewegungen im Inneren des Zeltes nicht wahrnehmen) entpuppt sich bei hochsommerlichen Temperaturen als Nachteil. Die dunkle Innenbeschichtung lässt das Doghouse zu einer mobilen Sauna mutieren. Im Winter hingegen ist das Doghouse wieder im Vorteil. Optional ist ein Überwurf zur Wintertarnung erhältlich.

Alternativen

Auch Isarfoto Bothe http://www.isarfoto.com bietet eine interessante Auswahl an Tarnzelten. Als Alternative zu Tarnzelten sind feste Ansitzhütten oder Tarnnetze, die auch mobil eingesetzt werden können, zu nennen. Tarnnetze lassen sich auch gut als Überwurf für konventionelle Campingzelte nutzen.

© Thomas Block

© Thomas Block

Preisgünstige Angebote aus Armeebeständen findet man bei ebay. Zu guter Letzt sei noch eine einfache aber häufig sehr wirkungsvolle Alternative zum Tarnzelt genannt: Das eigene Auto! Soweit es die Örtlichkeit zulässt, erweist sich in vielen Fällen, dass Tiere, die an den Straßenverkehr in der Nähe gewöhnt sind, auch das Fotografieren aus Fahrzeugen tolerieren. Inwieweit diese Art der Fotografie mit dem Umweltschutzgedanken zu vereinbaren ist, ist eine andere Frage…

(c) Copyright by Thomas Block 2010
Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt.

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