01. August 2010

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Foto-Safari: Leitfaden Teil 5

09.September 2009 von Rainer Hoffmann  
aus der Rubrik Tierfotografie

Was muss unbedingt ins Fotogepäck?

Sie wissen jetzt wohin es auf Foto-Safari gehen soll und ob Sie selber fahren wollen oder doch lieber eine geführte Reise machen wollen? Sie haben sich über Einreisebestimmungen, notwendige Impfungen und Malaria-Prophylaxe informiert? Gut, dann kann es ja fast losgehen. Sie müssen nur noch den Fotorucksack packen.

Nein, das ist kein Foto von der letzten Antarktis-Expedition

Nein, das ist kein Foto von der letzten Antarktis-Expedition. Dank an Roger für das Foto

Bevor wir uns um das Fotoequipment kümmern noch ein paar Worte zur Kleidung. Afrika gilt immer als heiß. Das ist auch nicht falsch. Aber es kann, je nach Jahreszeit, nachts und morgens seeehr kalt werden! Bedenken Sie, dass Sie möglicherweise in einem offenen Fahrzeug unterwegs sind. Dann sind Temperaturen um den Gefrierpunkt alles andere als lustig. Meine Frau und ich haben neben langer Thermounterwäsche und dicken Socken auch immer eine Fleecejacke und eine wind- und wasserdichte Outdoorjacke dabei. Folgen Sie dem Zwiebelprinzip. Im Laufe des Vormittags ziehen Sie einfach eine Schicht nach der anderen aus.

Und auch wenn mich viele Afrika Freaks jetzt mitleidig belächeln werden: Feste, knöchelhohe Wanderschuhe sind ein Muss. Schon mancher (deutsche) Sandalentourist hat sich einen schmerzhaften Skorpionbiss eingehandelt und der kann einem den Urlaub ganz schön vermiesen.

Nun aber zur Sache. Wer im Laufe der Jahre eine umfangreiche Fotoausrüstung angesammelt hat, der muss sich nun überlegen, was eingepackt wird. Die Handgepäck-Begrenzungen der Airlines werden immer restriktiver und besonders wenn Sie eine Fly-in Safari ins Okavango-Delta planen, müssen Sie mit strikten Gepäckbegrenzungen rechnen (üblicherweise 12 kg für das gesamte Gepäck einschließlich Fotoausrüstung!). Was also muss unbedingt mit?

o (D)SLR Gehäuse UND Zweitgehäuse

Das Zweitgehäuse ist aus zwei Gründen unabdingbar. Erstens können Sie zwei Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten (dazu später mehr) gleichzeitig im Einsatz haben und müssen nicht die Objektive wechseln. Das wollen Sie nämlich wegen des allgegenwärtigen Staubs möglichst vermeiden. Zweitens müssen Sie mit einem Defekt rechnen. Eine Foto-Safari ist für die Fotoausrüstung kein Zuckerschlecken und die nächste Servicewerkstatt ist möglicherweise tausend Kilometer weit weg. Falls Sie noch kein Zweitgehäuse haben, ist es jetzt an der Zeit eines zu beschaffen. Es kann gerne gebraucht oder das Einsteigermodell der Marke Ihres Vertrauens sein. Hauptsache, Sie haben eins.

o Objektive

Ich benutze nicht zufällig den Plural. Sie sollten mindestens zwei Objektive dabei haben. Selbst wenn es das ultimative, 300 Gramm leichte Superzoom 16 – 500mm / 1:2.8 mit Stabilisator und integrierter Kaffeemaschine gäbe, hätte ich immer noch ein zweites Objektiv dabei. Gründe siehe oben.

o Brennweiten

Jetzt wird es schwierig. Die simple Antwort wäre: Nehmen Sie alles mit. Aber das verbietet sich meistens von selbst. Die entscheidende Frage ist, wie so oft: Was wollen Sie fotografieren? Falls Sie nur Tierportraits aufnehmen wollten, könnten Sie auf ein Weitwinkelobjektiv verzichten. Aber glauben Sie mir, das wäre schade. Häufig ist es gerade das Tier in seiner natürlichen Umgebung, das ein reizvolles Motiv darstellt. Und außerdem kommt man teilweise auf 3 bis 4 m an ein Löwenrudel heran. Auch dann freut man sich über eine etwas kürzere Brennweite. Gehen wir das Problem also von einer etwas anderen Seite an und betrachten einfach verschiedene Brennweitenkombinationen.

- 24-70mm oder 24-105mm und 100-400mm

Das ist die aus meiner Sicht ideale Kombination, wenn man mit zwei Objektiven auskommen muss. Der Brennweitenbereich deckt im Vollformat sicherlich 80% aller möglichen Einsatzfälle ab. Benutzen Sie eine Kamera mit APS-C Sensor, haben Sie im Telebereich den Bildausschnitt eines 600mm Supertele zur Verfügung. Das sollte auf jeden Fall auch für ungewöhnliche Situationen reichen. Allenfalls im Weitwinkelbereich wäre vielleicht eine etwas kürzere Brennweite wünschenswert. Ein 18-55mm oder noch besser ein 18-70mm Objektiv wäre für APS-C Kameras eine gute Wahl.

- 24-70mm oder 24-105mm und 70-300mm

Für das Vollformat im Telebereich ein wenig knapp aber für APS-C Kameras eine gute Alternative zum 100-400mm Objektiv.

- 24-70mm oder 24-105mm und 70-200mm

Für APS-C Kameras noch eine brauchbare Kombination, für Vollformat im Telebereich ganz klar zu knapp. Auf viele Motive wird man damit verzichten müssen, da das Tier eindeutig zu klein abgebildet wird (wenn es nicht gerade Elefanten sind). Abhilfe schafft hier womöglich ein guter 1,4x oder 2x Konverter, auch wenn Puristen sich hier mit Grausen abwenden (ich bin kein Purist).

Für ein sehr weitwinkeliges Objektiv wie z.B. ein 16-35mm ergeben sich bei Vollformat normalerweise recht wenige Einsatzmöglichkeiten. Man sollte es nur mitnehmen, wenn noch viel Platz im Rucksack ist (sehr komisch, ich weiß). Für APS-C Kameras kann ein Objektiv mit weniger als 24mm Brennweite durchaus interessant sein.

Im langen Brennweiten-Bereich sind natürlich die großen Superteleobjektive mit hoher Anfangsöffnung und 500mm oder 600mm Brennweite ein wahrer Traum, hinsichtlich Preis und Gewicht aber auch ein Albtraum. Wer ein solches Objektiv besitzt, sollte es aber natürlich mitnehmen. Wofür hat man es sonst? Dann noch ein 1,4x und ein 2x Konverter und man ist für alles gerüstet. Selbst für Vogelfotografie.

Für ein spezielles Macro-Objektiv sehe ich auf einer Safari wenig Einsatzmöglichkeiten. Meistens reicht die Macrofunktion der Zoomobjektive völlig aus.

Grundsätzlich bevorzuge ich Objektive mit hoher Anfangsöffnung, denn Tierfotografie findet selten bei strahlendem Mittagslicht statt. In der Dämmerung ist man über jede Blende dankbar, die das Objektiv noch hergibt.

Das Sie für jedes Objektiv die passende Streulichtblende dabei haben versteht sich von selbst, oder? Welches Objektiv ich auswählen würde, wenn ich nur ein einziges Objektiv mitnehmen dürfte? Auch wenn es aus verschiedenen Gründen nicht mein Lieblingsobjektiv ist: Das 100-400mm.

o Zubehör

Das notwendige Zubehör für eine zwei- bis dreiwöchige Safari ist ein echtes Minenfeld, deshalb hier nur eine kurze Auflistung der lebensnotwendigen Dinge:

- Bohnensack

Vor Ort mit Bohnen oder Reis füllen. Unverzichtbar. Wichtig: Der Bohnensack sollte mit einer soliden Schnur im Innern des Fahrzeugs befestigt sein. Falls Ihnen der Bohnensack mal aus dem Fahrzeug fallen sollte, ziehen Sie ihn einfach wieder herein. Aussteigen in der Nähe eines Löwenrudels ist nicht anzuraten. Die anderen Gäste an Bord des Fahrzeugs mögen es nämlich gar nicht, wenn die Löwen abhauen, bevor das Foto im Kasten ist… Ach ja, und vor der Rückreise verschenken Sie den Reis oder die Bohnen einfach.

- Dreibeinstativ und passender Kopf

Kann, muss aber nicht dabei sein. Da Sie überwiegend aus dem Auto heraus fotografieren (aussteigen ist außerhalb der Camps fast überall verboten), sind Sie mit einem Bohnensack besser bedient. Ein Einbeinstativ kann auch für das Auto eine Alternative sein.

- Blitzgerät

Zum Aufhellblitzen und für den Glanz im Auge des Löwen… Denken Sie an genügend Batterien. Der nächste Supermarkt könnte drei Tagesreisen entfernt sein.

- Filter

Die üblichen Verdächtigen wie (Zirkular-) Polfilter, Grauverlauffilter

- Winkelsucher

Falls Ihre Kamera noch nicht so ein neumodisches Klappdisplay hat, ist ein Winkelsucher wichtig, um auch bei tiefer Kameraposition bequem in den Sucher schauen zu können.

- Ersatzakkus

Sie können gar nicht zu viele davon haben. Laden Sie die Akkus bei jeder(!) Gelegenheit auf. Nicht in jedem Camp gibt es Strom.

- Batteriegriff

Wenn Sie auf den Hochformatauslöser verzichten können, lassen Sie ihn zuhause. Nehmen Sie lieber noch einen weiteren Ersatzakku mit.

- Ladegerät

Nehmen Sie zwei mit. Begründung siehe oben.

- Steckeradapter

Wenn Sie ins südliche Afrika reisen, glauben Sie nicht den Beteuerungen ihres Elektrofachhändlers. Die üblichen Weltstecker passen nicht! Kaufen Sie vor Ort einen passenden Adapter.

- Speicherkarten

Packen Sie die doppelte Menge ein. Bedenken Sie, dass Sie im Fahrzeug wahrscheinlich keine Datensicherung machen können. Ich persönlich setze nicht gern alles auf eine Karte und bevorzuge 2GB Karten. Wir haben stapelweise davon.

- Mobiler Datenspeicher und Laptop

Sie benötigen Redundanz. Daher beides einpacken, auch wenn es lästig ist.

- Staubschutz

Afrika ist staubig und am besten packen Sie Kamera mit Objektiv während der Fahrt in eine Plastiktüte oder einen alten Kopfkissenbezug. So sind Sie immer schnell einsatzbereit und die Ausrüstung ist geschützt.

- Handfeger und Blasebalg

für die Grobreinigung von Kamera und Objektiven

- Microfasertuch

für die Frontlinsen

- Leicht angefeuchteter Waschlappen in einem Ziplock-Beutel

für die Feuchtreinigung der Kamera zwischendurch (feucht, nicht nass!)

- Sensorreinigungsmaterial

Ich habe immer davon abgesehen, mitten im Busch eine Sensorreinigung zu versuchen. Aber wenn Sie sich wohler fühlen…

Fotos im Kasten, Daten gesichert

Fotos im Kasten, Daten gesichert. Foto: Rainer & Simone Hoffmann

So, es kann endlich losgehen. Aber zum Schluss noch eine Warnung. Safari macht süchtig. Und wie jede anständige Sucht wird auch die Safarisucht auf Dauer richtig teuer. Aber das haben Sie ja schon geahnt, oder?

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